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Artist-in-Residence-Stipendien im Atelier Galata in Istanbul – Ausschreibung 2026

Bewerbungsfrist: abgelaufen

Die Kunststiftung NRW vergibt in Kooperation mit der ARTHENA FOUNDATION erneut zwei Stipendien für einen dreimonatigen Aufenthalt im Atelier Galata im Herzen Istanbuls (Stadtteil Beyoğlu). Die Residenz richtet sich an Kunstschaffende aus den Bereichen Literatur, Musik, Performing Arts und Visuelle Kunst. Die Plätze der ARTHENA FOUNDATION werden jährlich mit einem wechselnden Schwerpunkt vergeben.

Für 2026 liegt der Fokus der Stipendien der ARTHENA FOUNDATION auf der Kategorie Malerei.

Das Stipendium umfasst:

  • ein möbliertes Wohnatelier im Atelierhaus Galata
  • eine monatliche Pauschale für Lebenshaltungskosten in Höhe von 1.200 Euro
  • eine einmalige Reisekostenpauschale von bis zu 600 Euro
  • nach Absprache: Übernahme von Visa-Gebühren, Transport-/Materialkosten oder Übergepäck

Die Kunststiftung NRW betreibt das Atelier Galata seit 2009. Seit 2024 unterstützt die ARTHENA FOUNDATION das Programm und vergibt jährlich zwei Residenzplätze an bildende Künstlerinnen und Künstler aus Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, kreativen Austausch zu fördern und einen Zugang zur lebendigen Kunstszene Istanbuls zu ermöglichen.

 

Vergaberichtlinien und Anforderungen:

Die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgt auf Basis von Qualitätskriterien. Studierende sind von der Bewerbung ausgeschlossen. Eine Zu- oder Absage erfolgt schriftlich, ohne Begründung. Eine abgelehnte Bewerbung kann einmalig wiederholt werden, jedoch ist eine erneute Bewerbung ehemaliger Stipendiatinnen und Stipendiaten nicht möglich. Es besteht Residenzpflicht und englische Sprachkenntnisse sind Voraussetzung.

Für eine Bewerbung sind folgende Unterlagen über das Antragsportal der Kunststiftung NRW einzureichen:

  • Vollständig ausgefüllter Antrag (auszufüllen über das Antragsportal der Kunststiftung NRW)
  • Formloses Motivationsschreiben
  • Exposé des geplanten Arbeitsvorhabens (maximal 10 Seiten)
  • Belege bisheriger Arbeiten (Video- und/oder Audio-Links, Arbeitsproben etc.)

Die Bewerbung erfolgt ausschließlich über das Portal der Kunststiftung NRW. Hier geht es zum Bewerbungsportal.

Kontakt: Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Katharina Proksch. Bitte sehen Sie sich außerdem auch die Sektion FAQ auf der Website der Kunststiftung NRW an.

 

Die Geförderten 2026

Sophie Heinrich (*1991 in Köln; lebt und arbeitet in Düsseldorf) widmet sich der abstrakten Malerei. Ihre Werke entstehen aus einem reduzierten Formenvokabular, in dem Farbe, Linie und Material im Zentrum stehen. Malerei versteht sie als visuelles und materielles Denken: Prozesse wie Zufall, Entscheidungen und das Ausloten des Ungewissen werden sichtbar und körperlich erfahrbar. Klare Farbflächen kontrastieren mit organischen Linien und auslaufenden Pinselspuren, matte Farbschichten verschmelzen mit roher Leinwand, Lücken und Brüche rhythmisieren die Bildfläche. Während ihres Aufenthalts in Istanbul möchte Heinrich sich offen auf die Vielschichtigkeit der Stadt einlassen, diese Eindrücke in ihre Arbeit einfließen lassen und so ihr künstlerisches Vokabular weiterentwickeln.

Begründung der Jury:

„Sophie Heinrich versteht Malerei nicht als bloßes Bild, sondern als prozessualen Denk- und Erfahrungsraum. Diese Haltung zur Malerei als offenes System – sensibel für Veränderung, Kontext und Atmosphäre – überzeugte die Jury besonders. Auch stach hervor, dass die nur auf den ersten Blick abstrakte Formensprache immer wieder lebensweltliche Bezüge enthält. Heinrichs Aufmerksamkeit und Sensibilität für alltägliche Eindrücke, historische Stätten und zeitgenössische Kunst in Istanbul lassen spannende Einflüsse in ihr Werk hoffen.“

Björn Knapp (*1988 in Bensheim; lebt und arbeitet in Düsseldorf) verhandelt in seiner konzeptionellen Malerei den Einfluss des Alltags und das, was Zeitdokumente und Bilder des Alltags vergangener Zeiten über Gesellschaft, Hierarchien, Klasse und Politik verraten. Er versucht, den uns allen inhärenten Blick auf Körper, unsere Vorstellung vom Leben anderer zu brechen und einen von diesen Prägungen freien Blick zu entwickeln. Oft mit dem Gefühl einer unüberbrückbaren Differenz zwischen der eigenen Herkunft aus der Arbeiterklasse und deren Verarbeitung in der Hochkultur, zu der Kunst in allen Gesellschaften gehört.

In Istanbul möchte Knapp diesen Alltag andernorts, die Kunst und Kultur vor Ort erforschen und sich mit dem Roman Museum der Unschuld von Orhan Pamuk als räumliche Manifestation der Kunst im Alltag und im Stadtbild auseinandersetzen. Daraus sollen Zeichnungen, malerische Collagen und ein Künstlerbuch entstehen.

Begründung der Jury:

„Björn Knapps bisherige künstlerische Laufbahn zeugt von Kontinuität, Experimentierfreude und inhaltlicher Tiefe. Er überzeugte die Jury mit seiner eigenständigen malerischen Position, die zwischen Figuration und Abstraktion oszilliert. Seine kritische, aber zugleich poetische Bildsprache, verweigert sich einfachen Zuschreibungen und eröffnet Projektionsflächen für gesellschaftliche wie individuelle Themen, ohne belehrend zu sein. So wird es spannend, wie er sein konkretes Vorhaben in Istanbul malerisch übersetzt.“

Die Geförderten 2025

Galina Dimitrova (*1985 in Sofia, Bulgarien, lebt und arbeitet in Köln) erforscht in ihrer künstlerischen Praxis die Schnittstelle zwischen Zeichnung, Textilkunst und Installation. Dabei entstehen raumübergreifende Textilarbeiten, die die Betrachtenden in eine surreale Welt einführen. Durch den Einsatz von halbtransparenten Textilien wie Chiffon ermöglicht sie einen Dialog zwischen Realität und Traum. Die schwarzen Linien ihrer Zeichnungen fließen von großflächigen Installationen in lange Textilbahnen über, die an den Wänden hängen. Dieser Übergang von Dreidimensionalität zu Zweidimensionalität zeigt die Wandlungsfähigkeit der Zeichnung und hebt die Grenzen zwischen verschiedenen Medien auf. Während ihres Aufenthalts in Istanbul möchte sie ihre Arbeit im kulturellen und historisch reichen Umfeld der Stadt weiterentwickeln.

Begründung der Jury:
„Überzeugt hat die Jury am Werk von Galina Dimitrova zunächst die originelle Verbindung von Zeichnung und Textilkunst, womit die Künstlerin es schafft, das Medium Zeichnung auch in Rauminstallationen zu erweitern. Die Auseinandersetzung mit Handwerks- und Design-Traditionen in der Türkei, die auch im Dialog mit Kunstschaffenden vor Ort erfolgen soll, lässt eine spannende Weiterentwicklung ihres Werkes erwarten.“

Janis Löhrer (*1991 in Aachen, lebt und arbeitet in Düsseldorf) arbeitet fortlaufend an Zeichnungen, Wandarbeiten aus Kacheln und Objekten aus Keramik. In seinen Bildkompositionen untersucht er Figuren und Körper, die von queerem Begehren erzählen und beschäftigt sich mit Scham und Männlichkeit. Dabei schafft er kontinuierlich neue Figuren, die er skizzenhaft festhält. Während seines Aufenthaltes in Istanbul plant Löhrer ein neues Künstlerbuch zu entwickeln, das sich aus Zeichnungen zusammensetzt, die vor Ort entstehen. Außerdem möchte er Recherchen zur osmanischen Fliese und osmanischen Miniaturmalerei betreiben. Die Zeit außerhalb des Ateliers möchte er nutzen, um einerseits tiefer in das Leben und die besondere Atmosphäre Istanbuls einzutauchen und anderseits Grundkenntnisse der türkischen Sprache und Schrift aufzubauen.

Begründung der Jury:
„Die Jury hat zunächst die Vielfältigkeit von Janis Löhrers Werk überzeugt, sowohl in inhaltlicher als auch formaler Hinsicht. Als Mitbegründer des Kunstraums AURA in Düsseldorf wird er Kontakt zur vielseitigen Kunstszene in Istanbul suchen. Seine Vorhaben, osmanische Miniaturmalerei und queere Lebensqualitäten in Istanbul zu erforschen, versprechen eine spannende künstlerische und ästhetische Kombination und lassen auf vielfältige Einblicke in eine moderne, lebendige Stadt hoffen.“

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